Deutsch · Klasse 9 · Gymnasium — 5 Aufgaben zu Aufbau, Reimschema, Metrum und sprachliche Mittel an einem gemeinfreien Gedicht, mit Musterlösungen zu jeder Aufgabe. Zum Ansehen, Drucken oder Anpassen.
Name: ______________________Datum: ____________Deutsch · Klasse 9
Gedichtanalyse: Aufbau, Reimschema, Metrum und sprachliche Mittel
Johann Wolfgang von Goethe – „Der König in Thule“ (Gretchens Lied aus „Faust I“, entstanden um 1774)
Eine Gedichtanalyse geht in Schritten vor: zuerst der äußere Aufbau (Strophen, Verse), dann das Reimschema, danach das Metrum (Versmaß) und schließlich die sprachlichen Mittel. Erst am Ende fragt man, wie Form und Inhalt zusammenwirken. Lies das folgende Gedicht zweimal aufmerksam durch, bevor du die Aufgaben bearbeitest.
Johann Wolfgang von Goethe: Der König in Thule (1774)
(1) Es war ein König in Thule
(2) Gar treu bis an das Grab,
(3) Dem sterbend seine Buhle
(4) Einen goldnen Becher gab.
(5) Es ging ihm nichts darüber,
(6) Er leert' ihn jeden Schmaus;
(7) Die Augen gingen ihm über,
(8) So oft er trank daraus.
(9) Und als er kam zu sterben,
(10) Zählt' er seine Städt' im Reich,
(11) Gönnt' alles seinen Erben,
(12) Den Becher nicht zugleich.
(13) Er saß beim Königsmahle,
(14) Die Ritter um ihn her,
(15) Auf hohem Vätersaale,
(16) Dort auf dem Schloß am Meer.
(17) Dort stand der alte Zecher,
(18) Trank letzte Lebensglut,
(19) Und warf den heiligen Becher
(20) Hinunter in die Flut.
(21) Er sah ihn stürzen, trinken
(22) Und sinken tief ins Meer,
(23) Die Augen täten ihm sinken,
(24) Trank nie einen Tropfen mehr.
1
Welche Aussage beschreibt den Aufbau des Gedichts korrekt?
- Das Gedicht hat 6 Strophen mit je 4 Versen.
- Das Gedicht hat 4 Strophen mit je 6 Versen.
- Das Gedicht hat 8 Strophen mit je 3 Versen.
- Das Gedicht hat 3 Strophen mit je 8 Versen.
2
In jeder Strophe reimen sich Vers 1 und Vers 3 sowie Vers 2 und Vers 4 miteinander; dieses Reimschema heißt und wird mit den Buchstaben dargestellt.
3
Bestimme das Metrum der ersten Strophe. Kennzeichne dazu betonte (X) und unbetonte (x) Silben in den Versen 1 und 2 und gib an, ob die Verse 1 und 3 bzw. 2 und 4 männlich (stumpf, betonte Schlusssilbe) oder weiblich (klingend, unbetonte Schlusssilbe) enden.
4
Ordne jedem sprachlichen Mittel die passende Textstelle mit ihrer Wirkung zu.
| 1. Symbol | ____ | A) „der goldne Becher“ (V. 4) – steht sinnbildlich für die Liebe und Treue des Königs zu seiner verstorbenen Geliebten |
| 2. Metapher | ____ | B) „Trank nie einen Tropfen mehr“ (V. 24) – Alliteration: die Wiederholung des Konsonanten [t] in „Trank“ und „Tropfen“ verstärkt den endgültigen Verzicht des Königs nach dem letzten Trunk |
| 3. Anapher | ____ | C) „Er sah ihn stürzen, trinken / Und sinken tief ins Meer“ (V. 21 f.) und „Die Augen täten ihm sinken“ (V. 23) – gebrochene Anapher: die Wiederholung des Verbs „sinken“ verbindet das Versinken des Bechers mit dem nahenden Tod des Königs |
| 4. Antithese (Gegensatz) | ____ | D) „Gönnt' alles seinen Erben, / Den Becher nicht zugleich“ (V. 11 f.) – Antithese: „alles“ steht im Gegensatz zu „nicht zugleich“; der Becher wird von allem übrigen Besitz abgegrenzt und dadurch besonders hervorgehoben |
| 5. Alliteration | ____ | E) „Die Augen gingen ihm über“ (V. 7) – bildhafter Ausdruck für die Tränen und Rührung des Königs beim Trinken |
5
Erörtere in einem zusammenhängenden Text (ca. 6–8 Sätze), wie Form und Inhalt in „Der König in Thule“ zusammenwirken. Bestimme dazu selbstständig die wesentlichen Formmerkmale (äußerer Aufbau, Reimschema, Metrum) und beziehe sie auf die zentralen Inhalte (Treue, Liebe, Tod). Entwickle eine eigene, textbezogen begründete Deutung.
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