Das Jahr 1923 gilt als das erste große Krisenjahr der Weimarer Republik: Ruhrbesetzung, Hyperinflation und Putschversuche brachten den jungen Staat an den Rand des Zusammenbruchs. Bearbeite die Aufgaben in der vorgegebenen Reihenfolge (steigende Schwierigkeit). Nutze die Fachbegriffe aus dem Unterricht. Bearbeitungszeit: ca. 45 Minuten.
1
Ordne jedem Ereignis bzw. Begriff des Jahres 1923 die passende Kurzbeschreibung zu (Zeile links = Zeile rechts).
1. Ruhrbesetzung
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A) Rasanter Wertverfall des Geldes; im November 1923 kostete 1 Dollar 4,2 Billionen Mark
2. Passiver Widerstand
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B) Von der Reichsregierung ausgerufene Verweigerung der Zusammenarbeit mit den Besatzern
3. Hyperinflation
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C) Regelung von 1924, die die Reparationen neu ordnet und US-Kredite ermöglicht
4. Hitler-Ludendorff-Putsch
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D) Gescheiterter Umsturzversuch in München am 8./9. November 1923
5. Rentenmark
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E) Frankreich und Belgien besetzen im Januar 1923 das Ruhrgebiet wegen ausgebliebener Reparationen
6. Dawes-Plan
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F) Neue, wertstabile Währung, die ab Ende 1923 die Inflation stoppt
2
Entscheide, ob die folgenden Aussagen zum Jahr 1923 richtig (wahr) oder falsch sind.
richtig
falsch
Die Ruhrbesetzung erfolgte, weil Deutschland seine Reparationsverpflichtungen nicht vollständig erfüllte.
Durch die Hyperinflation gewannen vor allem die Sparer der Mittelschicht große Vermögen hinzu.
Der Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 war erfolgreich und stürzte die Reichsregierung.
Die Einführung der Rentenmark trug wesentlich zur Beendigung der Inflation bei.
Mit dem Krisenjahr 1923 endete die Weimarer Republik unmittelbar.
3
Ordne die folgenden Belastungsfaktoren des Jahres 1923 den Kategorien „außenpolitisch“ oder „innenpolitisch“ zu und begründe deine Zuordnung jeweils in einem Satz: (1) Reparationszahlungen nach dem Versailler Vertrag, (2) Ruhrbesetzung durch Frankreich und Belgien, (3) Hyperinflation, (4) Putschversuche von links und rechts.
4
Analysiere die folgende fiktive Quelle (nachempfunden) und beantworte die Fragen: a) Wer könnte der Verfasser sein und in welcher Lage befindet er sich? b) Welche Absicht verfolgt der Text? c) Welche Perspektive wird eingenommen und welche fehlt?
Fiktive Quelle (nachempfunden), Flugblatt aus dem Ruhrgebiet, Herbst 1923: „Wir müssen für unsere Rechte kämpfen! Die Regierung hat uns im Stich gelassen. Unser Lohn reicht am Abend nicht mehr für ein Brot, das er am Morgen noch bezahlt hätte.“
5
Vergleiche die beiden folgenden nachempfundenen Standpunkte zur Ruhrbesetzung. Benenne die Interessenposition jeder Seite in einem Satz und erkläre, warum ein Kompromiss 1923 schwierig war.
Standpunkt A (Frankreich, nachempfunden): „Nur durch die Besetzung des Ruhrgebiets können wir sicherstellen, dass Deutschland seine Reparationen leistet – wir brauchen Kohle und Geld für den Wiederaufbau.“ Standpunkt B (Deutschland, nachempfunden): „Die Besetzung ist völkerrechtswidrig und treibt unsere ohnehin ruinierte Wirtschaft in den Zusammenbruch.“
6
Erörtere: Warum wird 1923 als „Krisenjahr“ bezeichnet, obwohl die Weimarer Republik nicht daran zerbrach? Gehe dabei auf mindestens zwei Belastungsfaktoren UND zwei stabilisierende Elemente ein.
⭐ ⭐ Bonus für Schnelle
7
⭐ Ein häufiger Irrtum lautet: „Die Hyperinflation von 1923 führte direkt zum Aufstieg der Nationalsozialisten.“ Nimm zu dieser Behauptung begründet Stellung.
8
⭐ Beurteile die Rolle Gustav Stresemanns im Krisenjahr 1923. Welche Handlungsspielräume nutzte er und welche Verantwortung trug er?
Lösungen
Aufgabe 1: 1 → E, 2 → B, 3 → A, 4 → D, 5 → F, 6 → C
Aufgabe 2: Die Ruhrbesetzung erfolgte, weil Deutschland seine Reparationsverpflichtungen nicht vollständig erfüllte. → richtig Durch die Hyperinflation gewannen vor allem die Sparer der Mittelschicht große Vermögen hinzu. → falsch Der Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 war erfolgreich und stürzte die Reichsregierung. → falsch Die Einführung der Rentenmark trug wesentlich zur Beendigung der Inflation bei. → richtig Mit dem Krisenjahr 1923 endete die Weimarer Republik unmittelbar. → falsch
Aufgabe 3: Außenpolitische Belastungen: (1) Die Reparationszahlungen wurden Deutschland durch den Versailler Vertrag von den Siegermächten auferlegt, sie betreffen also das Verhältnis zum Ausland. (2) Die Ruhrbesetzung war ein Eingriff Frankreichs und Belgiens von außen und verletzte nach deutscher Auffassung das Völkerrecht. Innenpolitische Belastungen: (3) Die Hyperinflation war eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Krise im Inneren, die Ersparnisse vernichtete und das Vertrauen in den Staat schwächte. (4) Die Putschversuche von links (z. B. in Sachsen/Thüringen) und rechts (Hitler-Ludendorff-Putsch) richteten sich gegen die Republik von innen und bedrohten den Verfassungsstaat. Zu beachten ist, dass die Faktoren zusammenhängen: Die Ruhrbesetzung verschärfte durch den passiven Widerstand die Inflation, und die wirtschaftliche Not begünstigte die Radikalisierung.
Aufgabe 4: a) Der Verfasser könnte ein Arbeiter aus dem Ruhrgebiet sein, der unter dem passiven Widerstand und der Hyperinflation leidet. Er befindet sich in einer Notlage, weil sein Lohn durch den täglichen Wertverfall des Geldes fast nichts mehr wert ist. b) Der Text will Mitstreiter aufrütteln und zum gemeinsamen Handeln bewegen (Appell). Er drückt Wut und Enttäuschung aus und macht die Regierung für die Lage verantwortlich, um Druck zu erzeugen. c) Eingenommen wird die Perspektive der einfachen, notleidenden Bevölkerung/Arbeiterschaft. Es fehlen die Sichtweisen der Reichsregierung (die den passiven Widerstand nicht mehr finanzieren konnte), der Unternehmer und der Besatzungsmächte. Als Quellenkritik ist zu beachten: Es handelt sich um eine emotional gefärbte, parteiische Aufforderung, keine sachliche Beschreibung – die Angaben sind zugespitzt.
Aufgabe 5: Interessenposition A (Frankreich): Frankreich will durch die Kontrolle des industriellen Kerngebiets die pünktliche Zahlung der Reparationen erzwingen und Rohstoffe (Kohle) für den eigenen Wiederaufbau sichern. Interessenposition B (Deutschland): Deutschland sieht die Besetzung als rechtswidrigen Eingriff und will die eigene Wirtschaft vor dem völligen Kollaps schützen. Ein Kompromiss war schwierig, weil beide Seiten unvereinbare Ziele hatten: Frankreich pochte auf Erfüllung der Reparationen, Deutschland fühlte sich durch den Versailler Vertrag überfordert. Der deutsche passive Widerstand blockierte die Produktion, verschärfte aber die Inflation, sodass sich die Fronten zunächst verhärteten. Erst der Abbruch des passiven Widerstands durch Stresemann und später der Dawes-Plan (1924) schufen die Grundlage für eine Entspannung.
Aufgabe 6: 1923 heißt „Krisenjahr“, weil sich mehrere Belastungen gleichzeitig zuspitzten: Die Ruhrbesetzung und der von der Regierung ausgerufene passive Widerstand lähmten die Industrie und mussten mit gedrucktem Geld finanziert werden, was die Hyperinflation antrieb. Die Inflation vernichtete die Ersparnisse besonders der Mittelschicht und untergrub das Vertrauen in Staat und Demokratie. Hinzu kamen politische Krisen: der Hitler-Ludendorff-Putsch in München sowie linke und separatistische Bewegungen zeigten, wie sehr der Verfassungsstaat unter Druck stand. Dennoch zerbrach die Republik nicht, weil stabilisierende Elemente wirkten: Reichskanzler Stresemann brach den passiven Widerstand ab und leitete eine Verständigungspolitik ein; mit der Einführung der Rentenmark wurde die Inflation gestoppt und das Vertrauen in die Währung wiederhergestellt. Der Dawes-Plan von 1924 ordnete die Reparationen neu und ermöglichte US-Kredite, sodass eine wirtschaftliche Erholung einsetzte. So folgte auf die Krise eine Phase relativer Stabilität (1924–1929). Insgesamt zeigt sich, dass die Republik zwar schwer belastet, aber durch entschlossenes Handeln der Akteure und günstige äußere Bedingungen handlungsfähig blieb.
Aufgabe 7: Die Behauptung ist so nicht haltbar. Zwar erschütterte die Hyperinflation 1923 das Vertrauen vieler Menschen in die Demokratie und förderte die Radikalisierung – auch der Hitler-Ludendorff-Putsch fällt in dieses Jahr. Doch der Putsch scheiterte, und die Republik stabilisierte sich anschließend durch Rentenmark und Dawes-Plan. Es folgten die vergleichsweise ruhigen und wirtschaftlich erfolgreichen Jahre 1924–1929, in denen die NSDAP nur eine Randerscheinung war. Der eigentliche Aufstieg der Nationalsozialisten begann erst mit der Weltwirtschaftskrise ab 1929 und der damit verbundenen Massenarbeitslosigkeit. Die Krise von 1923 war also eine schwere Belastung, aber keine unmittelbare Ursache für die Machtübertragung 1933.
Aufgabe 8: Als Reichskanzler (August–November 1923) traf Stresemann in einer extrem angespannten Lage folgenreiche Entscheidungen. Er brach den passiven Widerstand im Ruhrgebiet ab, was innenpolitisch heftig umstritten war, aber die weitere Finanzierung durch Gelddrucken beendete und so eine Grundlage schuf, die Inflation zu stoppen. Damit nahm er die Kritik nationalistischer Kreise in Kauf, handelte jedoch verantwortungsbewusst im Interesse der wirtschaftlichen Rettung. Zugleich setzte er auf eine Politik der Verständigung mit den Westmächten (Erfüllungs- bzw. Verständigungspolitik), die den Weg zum Dawes-Plan ebnete. Sein Handlungsspielraum war durch die Notlage begrenzt, doch er nutzte ihn entschlossen. Insgesamt lässt sich seine Rolle als stabilisierend bewerten, auch wenn er dafür unpopuläre Kompromisse eingehen musste.
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