Arbeitsblatt: Ständegesellschaft und Lehnswesen im Mittelalter (Klasse 7)
Geschichte · Klasse 7 · Gymnasium — 6 Aufgaben zu Stände, Lehnsherr und Vasall, Leben der Bauern, mit Musterlösungen zu jeder Aufgabe. Zum Ansehen, Drucken oder Anpassen.
Geschichte, Klasse 7 – Herrschaft und Lebenswelten im Mittelalter
Im Mittelalter war die Gesellschaft streng in drei Stände gegliedert: Klerus (Geistlichkeit), Adel und Bauern. Man sah diese Ordnung als von Gott gewollt und kaum veränderbar an – wer in einen Stand hineingeboren wurde, blieb meist sein ganzes Leben darin. Bearbeite die folgenden Aufgaben mithilfe der Texte und Abbildungen auf diesem Blatt.
Die drei Stände im Mittelalter
1
Nenne die drei Stände der mittelalterlichen Ständegesellschaft aus der Pyramide und erkläre jeweils in einem Satz ihre Hauptaufgabe.
Lies den folgenden Infotext aufmerksam: Das Lehnswesen regelte im Mittelalter das Verhältnis zwischen Herrschenden. Ein Lehnsherr (z. B. der König) übergab einem Vasallen (z. B. einem Ritter oder Grafen) ein Lehen – meist ein Stück Land mit Bauern, die dort arbeiteten. Als Zeichen der Unterordnung leistete der Vasall dem Lehnsherrn einen Treueeid (Huldigung) und kniete dabei vor ihm. Im Gegenzug musste der Vasall seinem Lehnsherrn im Krieg mit Waffen und Pferden dienen (Heerfolge) und ihn beraten (Ratsfolge). Der Lehnsherr musste dem Vasallen dafür Schutz gewähren und ihn im Besitz seines Lehens belassen. Wichtig: Ein Vasall konnte selbst wieder Lehnsherr sein und Teile seines Landes an eigene Vasallen weitergeben – so entstand eine Rangfolge vom König über Fürsten und Grafen bis zu einfachen Rittern.
2
Im Mittelalter übergab ein einem ein Stück Land, das man als bezeichnete. Als Zeichen der Unterordnung leistete der Vasall seinem Herrn einen (Huldigung). Im Gegenzug musste der Vasall seinem Lehnsherrn im Krieg dienen, was man nannte.
Die Rangfolge im Lehnswesen (vereinfacht)
3
Erkläre mithilfe des Infotextes und der Rangfolge, welche Rechte und Pflichten Lehnsherr und Vasall jeweils haben. Gehe sowohl auf die Pflichten des Vasallen als auch auf die Pflichten des Lehnsherrn ein.
4
Kreuze an, ob die Aussagen richtig oder falsch sind.
richtig
falsch
Ein Vasall konnte theoretisch mehreren Lehnsherren zugleich zur Treue verpflichtet sein.
Hörige Bauern waren Sklaven, die beliebig und ohne Bindung an Grund und Boden einzeln verkauft werden konnten.
Die Ständeordnung wurde im Mittelalter als von Gott gewollt und kaum veränderbar angesehen.
Ein Lehen ging automatisch in das persönliche Eigentum des Vasallen über.
Auch Frauen konnten dem Klerus angehören, zum Beispiel als Nonnen in einem Kloster.
5
Ordne jedem Begriff aus dem Leben der Bauern die passende Definition zu.
1. Grundherrschaft
____
A) Gemeinschaftlich genutzte Dorfflächen wie Wald, Weide und Wasser.
2. Zehnt
____
B) Abgabe eines Zehntels der Ernte an Kirche oder Grundherrn.
3. Frondienst
____
C) Unbezahlte Arbeitsleistung für den Grundherrn, z. B. auf dessen Feldern.
4. Hörigkeit
____
D) Grundherr besitzt Land, das von abhängigen Bauern bewirtschaftet wird.
5. Allmende
____
E) Bauern sind an Grund und Boden gebunden und dürfen nicht frei verlassen werden.
6
Wähle EINE der beiden folgenden Perspektiven aus und schreibe einen kurzen Tagebucheintrag (mindestens 5 Sätze). Begründe am Ende in 2-3 Sätzen, wie groß der Handlungsspielraum dieser Person im mittelalterlichen Ständesystem war.
Perspektive A – Bauer: Es ist Erntezeit. Du hast den ganzen Tag auf dem Feld deines Grundherrn gearbeitet (Frondienst) und musst nun noch den Zehnt von deiner eigenen Ernte abliefern. Dein Sohn ist krank, aber du darfst dein Dorf nicht ohne Erlaubnis verlassen, um einen Arzt in der Stadt aufzusuchen.
Perspektive B – Vasall (Ritter): Dein Lehnsherr ruft dich zur Heerfolge auf, obwohl gerade die Ernte auf deinem eigenen Lehen eingebracht werden muss. Du musst entscheiden, wie du deiner Pflicht nachkommst, ohne dein Lehen zu vernachlässigen.
Lösungen
Aufgabe 1: Der Klerus (die Geistlichkeit, z. B. Bischöfe, Mönche und Priester) betete und sorgte für das Seelenheil der Menschen. Der Adel (Fürsten, Grafen und Ritter) kämpfte und war für den Schutz von Land und Leuten verantwortlich. Die Bauern arbeiteten auf dem Land und versorgten mit ihrer Ernte alle anderen Stände mit Nahrung.
Aufgabe 2: Lehnsherr, Vasallen, Lehen, Treueeid, Heerfolge
Aufgabe 3: Der Vasall hatte gegenüber seinem Lehnsherrn mehrere Pflichten: Er musste ihm Treue schwören (Treueeid/Huldigung), ihm im Krieg mit Waffen und Reitern dienen (Heerfolge) und ihn in wichtigen Fragen beraten (Ratsfolge). Als Gegenleistung hatte der Vasall das Recht, das Lehen (Land) zu nutzen und die Erträge der dort arbeitenden Bauern zu erhalten. Der Lehnsherr wiederum hatte die Pflicht, seinem Vasallen Schutz zu gewähren und ihn im Besitz des Lehens zu belassen. Dafür hatte der Lehnsherr das Recht, vom Vasallen Treue, Kriegsdienst und Rat einzufordern. Da ein Vasall selbst wieder Land an eigene Vasallen weitergeben konnte, war er zugleich Lehnsherr und Vasall – die Rangfolge beruhte deshalb auf vielen einzelnen persönlichen Treueverhältnissen, die sich teils überschnitten, und nicht auf einer einheitlichen Befehlskette.
Aufgabe 4: Ein Vasall konnte theoretisch mehreren Lehnsherren zugleich zur Treue verpflichtet sein. → richtig Hörige Bauern waren Sklaven, die beliebig und ohne Bindung an Grund und Boden einzeln verkauft werden konnten. → falsch Die Ständeordnung wurde im Mittelalter als von Gott gewollt und kaum veränderbar angesehen. → richtig Ein Lehen ging automatisch in das persönliche Eigentum des Vasallen über. → falsch Auch Frauen konnten dem Klerus angehören, zum Beispiel als Nonnen in einem Kloster. → richtig
Aufgabe 5: 1 → D, 2 → B, 3 → C, 4 → E, 5 → A
Aufgabe 6: Perspektive A (Bauer, Beispielantwort): 'Heute war ein harter Tag. Von morgens bis abends musste ich auf dem Feld meines Grundherrn arbeiten, das ist mein Frondienst. Erst danach konnte ich mit der Ernte auf meinem eigenen Feld beginnen. Am Abend kam der Verwalter und holte den Zehnt, ein Zehntel meiner Ernte, ab. Mein Sohn hustet schon seit Tagen, aber ich darf das Dorf nicht ohne Erlaubnis meines Grundherrn verlassen, um einen Arzt in der Stadt zu holen. So bleibt mir nur, ihn mit Kräutertee zu pflegen und zu hoffen.' Begründung: Der Handlungsspielraum des Bauern war sehr gering. Er war an Grund und Boden gebunden (Hörigkeit), musste Abgaben und Frondienste leisten und durfte wichtige Entscheidungen wie eine Reise nicht eigenständig treffen. Sein Alltag wurde von den Forderungen des Grundherrn und von Naturereignissen bestimmt, kaum von eigenen Wünschen.
Perspektive B (Vasall/Ritter, Beispielantwort): 'Heute erreichte mich die Nachricht meines Lehnsherrn: Ich soll ihm mit meinen Reitern zur Heerfolge nachkommen. Doch gerade jetzt müsste auf meinem Lehen die Ernte eingebracht werden. Verweigere ich die Heerfolge, verletze ich meinen Treueeid und riskiere, mein Lehen zu verlieren. Also ordne ich an, dass meine Verwalter die Ernte ohne mich einbringen, und mache mich mit meinen Männern auf den Weg.' Begründung: Der Handlungsspielraum des Vasallen war deutlich größer als der des Bauern, aber nicht grenzenlos: Er konnte über sein Lehen und seine Untertanen bestimmen, war aber durch den Treueeid an die Pflichten gegenüber seinem Lehnsherrn gebunden und musste eigene Interessen wie die Ernte den Forderungen der Heerfolge unterordnen.
Erstellt mit dem Experten-Council von Lehreule, ausgerichtet am Kernlehrplan NRW. KI-Inhalte können Fehler enthalten — bitte vor dem Einsatz kurz gegenlesen.
So passt du das Arbeitsblatt an deine Klasse an
Dein Bundesland: Lehreule richtet das Blatt am Lehrplan deines Bundeslandes und deiner Schulform aus.
Leichter oder schwerer: Per Klick entsteht eine differenzierte Variante — etwa mit Hilfen für schwächere Lernende.
Einzelne Aufgaben ändern: Jede Aufgabe lässt sich anklicken, umschreiben oder neu erstellen lassen.
Mehr daraus machen: Aus demselben Thema entstehen auch eine Klausur mit Erwartungshorizont oder eine ganze Unterrichtsreihe.
Häufige Fragen
Ist das Arbeitsblatt kostenlos?
Ja. Du kannst es hier ansehen, ausdrucken oder als PDF speichern. Wer es verändern oder eine eigene Variante erstellen möchte, kann das in Lehreule kostenlos ausprobieren.
Passt das Blatt zum Lehrplan für Klasse 7?
Es wurde am Kernlehrplan Nordrhein-Westfalen für Geschichte ausgerichtet. In Lehreule wählst du dein eigenes Bundesland und deine Schulform — das Blatt wird dann an den dortigen Lehrplan angepasst.
Wie wurde das Arbeitsblatt erstellt?
Mit dem Experten-Council von Lehreule: Mehrere spezialisierte KI-Prüfer kontrollieren Fakten, Didaktik, Rechtschreibung und Aufgabenlogik, Rechenlösungen werden automatisch nachgerechnet. Bitte lies das Blatt vor dem Einsatz trotzdem kurz gegen — die fachliche Abnahme bleibt bei dir.
Dein eigenes Arbeitsblatt zu jedem Thema
Fach, Klasse und Thema wählen — Lehreule erstellt das Blatt lehrplangenau für dein Bundesland, inklusive Musterlösungen. Kostenlos starten, keine Kreditkarte nötig.