Arbeitsblatt: Die Küchenuhr (Wolfgang Borchert) (Klasse 8)
10 Aufgaben zu Inhalt, Figuren, Nachkriegszeit, Merkmale der Kurzgeschichte, mit Musterlösungen zu jeder Aufgabe. Kostenlos zum Ausdrucken, ohne Anmeldung.
Du hast die Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert (1947) gelesen. Bearbeite die folgenden Aufgaben in der vorgegebenen Reihenfolge. Achte auf vollständige Sätze bei den Schreibaufgaben und verwende die Fachbegriffe der Textanalyse (z. B. Symbol, Erzählperspektive, offenes Ende).
1
Wolfgang Borchert lebte von 1921 bis . Seine Texte zählen zur sogenannten (auch Nachkriegs- oder Kahlschlagliteratur). „Die Küchenuhr“ gehört zur Gattung der . Die Uhr des jungen Mannes ist bei einem Bombenangriff um stehen geblieben.
2
Kreuze an, ob die Aussagen zum Inhalt der Kurzgeschichte richtig oder falsch sind.
richtig
falsch
Der junge Mann setzt sich zu fremden Leuten auf eine Bank und zeigt ihnen seine Küchenuhr.
Die Küchenuhr ist äußerlich völlig zerstört und funktioniert nicht mehr, weil ihr Zifferblatt zerbrochen ist.
Die Uhr zeigt genau die Uhrzeit an, zu der das Elternhaus des jungen Mannes zerstört wurde.
Der junge Mann bezeichnet die nächtlichen Begegnungen mit seiner Mutter in der Küche als sein „Paradies“.
Am Ende der Geschichte findet der junge Mann seine Familie wieder und kehrt nach Hause zurück.
Die Figuren der Geschichte tragen keine Namen – sie bleiben anonym.
3
Ordne die typischen Merkmale der Kurzgeschichte den passenden Beobachtungen aus „Die Küchenuhr“ zu. Verbinde jeweils ein Merkmal (links) mit einem Textbeleg (rechts).
1. Unvermittelter Einstieg (in medias res)
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A) Die Personen heißen nur „der junge Mann“, „die Leute“, „der Mann“, „die Frau“ – sie stehen stellvertretend für viele.
2. Offenes Ende
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B) Der Schluss lässt offen, wie es mit dem jungen Mann weitergeht; das Gespräch endet abrupt mit dem Gedanken an das Wort „Paradies“.
3. Alltägliche, namenlose Figuren
____
C) Die Geschichte beginnt ohne Einleitung mitten im Geschehen: Der junge Mann kommt auf die Leute auf der Bank zu.
4. Dingsymbol im Zentrum
____
D) Die Handlung umfasst nur ein kurzes Gespräch auf einer Bank, vermutlich wenige Minuten.
5. Knappe Alltagssprache
____
E) Kurze, einfache Sätze und viele Wiederholungen prägen den Text – geschrieben, wie Menschen wirklich sprechen.
6. Kurze erzählte Zeit
____
F) Die weiße, tellerförmige Küchenuhr steht im Mittelpunkt und trägt die eigentliche Bedeutung der Geschichte.
4
Fasse den Inhalt der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ in 5–7 Sätzen zusammen. Beachte die Merkmale einer Inhaltsangabe (Präsens, eigene Worte, sachlicher Stil, das Wichtigste zuerst).
5
Bestimme, welche Deutung der stehen gebliebenen Küchenuhr am besten zutrifft.
Die Uhr zeigt, dass der junge Mann sich keine neue Uhr leisten kann – sie ist ein Symbol für seine Armut.
Die Uhr symbolisiert die angehaltene Zeit: Für den jungen Mann ist die Zeit im Moment der Zerstörung stehen geblieben; die Uhr bewahrt die Erinnerung an sein verlorenes „Paradies“.
Die Uhr steht für den technischen Fortschritt, der durch den Krieg zerstört wurde.
Die Uhr ist nur ein zufälliger Gegenstand ohne tiefere Bedeutung – Borchert wollte damit die Alltäglichkeit des Krieges zeigen.
6
Analysiere die Küchenuhr als zentrales Symbol der Geschichte. Erschließe dabei, (a) was die Uhr für den jungen Mann bedeutet, (b) warum gerade die Uhrzeit „halb drei“ so wichtig ist und (c) was der Begriff „Paradies“ in diesem Zusammenhang ausdrückt. Schreibe 6–8 Sätze und verwende Fachbegriffe wie „Symbol“ und „Bedeutungsebene“.
7
Erörtere, inwiefern „Die Küchenuhr“ ein typischer Text der Nachkriegs- bzw. Trümmerliteratur ist. Berücksichtige dabei mindestens drei Aspekte: die Themen (Verlust, Heimatlosigkeit, Zerstörung), die Figuren, die Sprache und Form sowie den Bezug zur Lebenssituation der Menschen nach 1945. Schreibe ca. 8–10 Sätze.
8
Aus welcher Erzählperspektive wird „Die Küchenuhr“ überwiegend erzählt und welche Wirkung hat das?
Ich-Erzähler: Der junge Mann erzählt selbst, dadurch wirkt die Geschichte wie ein Tagebucheintrag.
Auktorialer Erzähler: Ein allwissender Erzähler kommentiert und bewertet das Geschehen ausführlich.
Personaler/neutraler Erzähler: Das Geschehen wird von außen, vor allem über das Gespräch, geschildert; der Erzähler wertet kaum – die Leserinnen und Leser müssen sich die Gefühle der Figuren selbst erschließen.
Briefform: Die Geschichte besteht aus einem Brief des jungen Mannes an seine Mutter.
⭐ ⭐ Bonus für Schnelle
9
⭐ Bonus 1 (Transfer): Der junge Mann erkennt den Wert des „Paradieses“ erst, als es verloren ist. Erörtere, ob diese Erfahrung auch auf das Leben heute übertragbar ist. Finde ein eigenes Beispiel für etwas Alltägliches, dessen Wert man oft erst im Verlust erkennt, und begründe deine Meinung in 5–7 Sätzen.
10
⭐ Bonus 2 (Kreativ): Verfasse den unvermittelten Anfang (5–8 Sätze) einer eigenen Kurzgeschichte im Stil Borcherts. In ihrem Mittelpunkt soll ein alltäglicher Gegenstand als Dingsymbol stehen (z. B. ein alter Schlüssel, ein zerrissenes Foto, ein einzelner Handschuh). Beachte: Einstieg in medias res, namenlose Figuren, kurze Sätze, Alltagssprache.
Lösungen
Aufgabe 1: 1947, Trümmerliteratur, Kurzgeschichte, halb drei
Aufgabe 2: Der junge Mann setzt sich zu fremden Leuten auf eine Bank und zeigt ihnen seine Küchenuhr. → richtig Die Küchenuhr ist äußerlich völlig zerstört und funktioniert nicht mehr, weil ihr Zifferblatt zerbrochen ist. → falsch Die Uhr zeigt genau die Uhrzeit an, zu der das Elternhaus des jungen Mannes zerstört wurde. → richtig Der junge Mann bezeichnet die nächtlichen Begegnungen mit seiner Mutter in der Küche als sein „Paradies“. → richtig Am Ende der Geschichte findet der junge Mann seine Familie wieder und kehrt nach Hause zurück. → falsch Die Figuren der Geschichte tragen keine Namen – sie bleiben anonym. → richtig
Aufgabe 3: 1 → C, 2 → B, 3 → A, 4 → F, 5 → E, 6 → D
Aufgabe 4: In der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert (1947) setzt sich ein junger Mann mit auffallend altem Gesicht zu fremden Leuten auf eine Bank. Er zeigt ihnen eine weiße, tellerförmige Küchenuhr, die er in den Trümmern seines zerstörten Elternhauses gefunden hat. Die Uhr ist bei einem Bombenangriff um halb drei stehen geblieben – genau zu der Zeit, zu der er früher nachts nach Hause kam. Er erzählt, dass seine Mutter ihm damals jede Nacht in der Küche das Essen warm gemacht hat, ohne je ein Wort darüber zu verlieren. Erst jetzt, nachdem er alles verloren hat, erkennt er, dass diese Selbstverständlichkeit das eigentliche „Paradies“ war. Die Zuhörer reagieren betreten und schauen ihn nicht an. Am Ende denkt einer der Männer auf der Bank nur noch an das Wort „Paradies“ – die Geschichte endet offen.
Aufgabe 5: Die Uhr symbolisiert die angehaltene Zeit: Für den jungen Mann ist die Zeit im Moment der Zerstörung stehen geblieben; die Uhr bewahrt die Erinnerung an sein verlorenes „Paradies“.
Aufgabe 6: Die Küchenuhr ist das zentrale Dingsymbol der Kurzgeschichte. Auf der ersten Bedeutungsebene ist sie ein wertloser, alltäglicher Gegenstand: eine weiße, tellerförmige Uhr, die nicht mehr geht. Auf der symbolischen Ebene verkörpert sie jedoch die gesamte verlorene Vergangenheit des jungen Mannes. Die Uhrzeit „halb drei“ ist entscheidend, weil die Uhr genau in dem Moment stehen geblieben ist, in dem sein Elternhaus beim Bombenangriff zerstört wurde – und weil er früher genau um diese Zeit nachts nach Hause kam und seine Mutter ihm in der Küche das Essen warm machte. So verbindet die Uhr den schlimmsten Moment seines Lebens mit den glücklichsten Momenten. Das Wort „Paradies“ drückt aus, dass der junge Mann erst durch den Verlust erkennt, wie wertvoll die alltägliche, selbstverständliche Fürsorge seiner Mutter war. Die Uhr steht damit für die angehaltene Zeit: Äußerlich lebt der junge Mann weiter, innerlich ist seine Zeit um halb drei stehen geblieben. Zugleich bewahrt die Uhr als einziges „überlebendes“ Stück die Erinnerung an das verlorene Zuhause.
Aufgabe 7: „Die Küchenuhr“ ist ein typischer Text der Trümmerliteratur, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. Erstens behandelt die Geschichte die zentralen Themen dieser Epoche: Zerstörung, Verlust der Familie und Heimatlosigkeit. Der junge Mann hat bei einem Bombenangriff sein Elternhaus und vermutlich seine Eltern verloren – ein Schicksal, das nach 1945 Millionen Menschen in Deutschland teilten. Zweitens sind die Figuren typisch: Sie bleiben namenlos und alltäglich („der junge Mann“, „die Leute“) und stehen damit stellvertretend für eine ganze Generation von Kriegsopfern und Entwurzelten. Auffällig ist auch das „alte Gesicht“ des erst zwanzigjährigen Mannes, das zeigt, wie der Krieg junge Menschen innerlich gezeichnet hat. Drittens entspricht die Form den Idealen der sogenannten Kahlschlagliteratur: kurze, schmucklose Sätze, Alltagssprache, Wiederholungen und der Verzicht auf jede Ausschmückung. Die Kurzgeschichte selbst war die bevorzugte Gattung der Nachkriegsautoren, weil sie knapp, direkt und ohne Pathos vom Erlebten erzählen konnte. Schließlich zeigt der Text, wie ein einfacher Alltagsgegenstand zum letzten Halt und Erinnerungsträger wird – auch das spiegelt die materielle und seelische Not der „Stunde Null“ wider. Borcherts eigene Biografie (1921–1947, Soldat im Krieg, früher Tod) macht ihn zu einem glaubwürdigen Vertreter dieser Literatur.
Aufgabe 8: Personaler/neutraler Erzähler: Das Geschehen wird von außen, vor allem über das Gespräch, geschildert; der Erzähler wertet kaum – die Leserinnen und Leser müssen sich die Gefühle der Figuren selbst erschließen.
Aufgabe 9: Die Erfahrung des jungen Mannes lässt sich gut auf heute übertragen, denn auch wir nehmen vieles im Alltag als selbstverständlich hin. Ein Beispiel ist die tägliche Fürsorge der Eltern: dass jemand kocht, zuhört oder einfach da ist, fällt oft erst auf, wenn man auszieht oder ein Familienmitglied krank wird oder stirbt. Ähnlich geht es vielen Menschen mit Gesundheit, Frieden oder Freundschaften – erst der Verlust macht ihren Wert sichtbar. Borcherts Geschichte fordert die Leserinnen und Leser also indirekt auf, das scheinbar Gewöhnliche bewusster wahrzunehmen und wertzuschätzen. Meiner Meinung nach ist genau das die zeitlose Botschaft der Kurzgeschichte: Das „Paradies“ besteht nicht aus besonderen Ereignissen, sondern aus den kleinen, selbstverständlichen Momenten des Alltags. Deshalb ist die Geschichte auch über 75 Jahre nach ihrer Entstehung noch aktuell.
Aufgabe 10: Beispiel (individuelle Lösungen möglich): Sie hielt den Schlüssel fest in der Hand. Er war rostig und passte in keine Tür mehr. Die anderen am Tisch sahen sie an. Wollen Sie den nicht wegwerfen, fragte einer. Sie schüttelte den Kopf. Der passt in unsere alte Haustür, sagte sie. Die Tür gibt es nicht mehr. Aber den Schlüssel, den habe ich noch. — Bewertungskriterien: unvermittelter Einstieg mitten im Geschehen, namenlose Figuren („sie“, „einer“, „die anderen“), kurze parataktische Sätze in Alltagssprache, ein Alltagsgegenstand als Symbol für Verlust und Erinnerung, offener Fortgang.
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